Alle Artikel in: Menschen

Begegnung mit Matt Mullican

Matt Mullican sitzt auf der Treppe in der Mainzer Kunsthalle und nimmt sich die Zeit, seine Kosmologie zu erklären, ein komplexes System aus Farben, Piktogrammen und Schaubildern. Es geht ihm um Wahrnehmung und Wirklichkeit. Um die Erkenntnis, wie die Welt geordnet ist. Wie die Dinge in ihr zueinander in Verbindung stehen. Es ist Montag, in vier Tagen, am Donnerstag, wird Mullicans Ausstellung „Books Representing Books“ eröffnet. Mehr Skizzen, Notizbücher, Textbausteine und Bildersammlungen gab es von dem 1951 im kalifornischen Santa Monica geborenen Künstler bislang noch nirgends zu sehen. Er gehört zu den international hoch geachteten Konzeptkünstlern der Gegenwart. „Ein Superstar“, wie Thomas D. Trummer, künstlerischer Leiter der Kunsthalle sagt, „der sich für Mainz sehr viel Zeit nimmt“. Viermal war er in den vergangenen Wochen schon vor Ort. Tausende von Blättern sind mittlerweile so gereiht worden, wie es die Logik in Mullicans Universum zwingend erfordert. Lose Blätter sind für ihn eine andere Präsentationsform des Buches, auch sie verlangen nach Chronologie. Dazu gehören comichafte Kugelschreiberskizzen auf Rechenblättern, Blätter mit Internetfotografien und riesige Wortfolgen auf Bettlaken gepinselt. Mullican …

Optimistischer Arbeitsminimalist

Als Romanfigur von Wolf Haas hat man es nicht leicht. Weil nichts verlässlich ist. Reicht es ihm nicht, dass Privatdetektiv Simon Brenner innerhalb von drei Serienbänden aus dem beschaulichen Bergdorf heraus in die Großstadt Stadt Wien verpflanzt wurde. Und nicht außerdem, dass diesem schon zweimal innerhalb von zwanzig Jahren und sieben Bänden der Ruhestand versprochen wurde. Muss er jetzt noch in James-Bond-Manier mit dem Motorrad durch die Mongolei geschickt werden? Ja, das mache ihm schon moralische Probleme, wie er mit dem Brenner umgehe, gesteht dessen Erschaffer. Immerhin. Mit „Brennerova“, dem jüngsten Band der Krimi-Serie um den eigenwilligen Privatdetektiv ist der in Wien lebende Autor Wolf Haas derzeit auf Lesetour. Am Donnerstagabend sprach er bei der Aufzeichnung für die SWR-Sendung „lesenswert“ im KUZ mit Moderator Denis Scheck über die schriftstellerische Pflege minimalster Leistungsanforderungen und wie daraus hochgelobte Spitzenkrimis entstehen. „Ich kann eigentlich nur sehr schlecht viel lesen“, gestand Haas. Denis Scheck, der zu den gepfeffertsten und wortwendigsten Literaturkritikern Deutschlands zählt, feierte in der Sendung als Nachfolger von Thea Dorn seine Premiere. „Ihre Romane sind Sprachkurs und ganz große …

Verschwunden in der Nacht

Heute vor 15 Jahren ist Jeff Buckley mit gerade einmal 30 Jahren gestorben. Mitten in der Arbeit für sein neues Album „My Sweethart, The Drunk“, vom dem Kritiker sagen, es hätte eine Platte im Ausmaß von Sgt. Pepper’s werden können. Es wird nie wirklich aufgeklärt werden können, was den jungen Sänger und Songwriter antrieb, sich mitten in der Nacht gedankenverloren immer tiefer in das Wasser des Wolf River treiben zu lassen.  So bleibt er der Erinnerung  als ein rätselhafter junger Künstler im Leben wie im Tod. Für sein einziges  Album „Grace“  erhielt Jeff Buckley 1995 den begehrten französischen „Grand Prix International Du Disque“ – vor ihm haben Stars wie Bob Dylan, Bruce Springsteen, Leonard Cohen, Yves Montand, Edith Piaf und Jacques Brel diese Auszeichnung entgegen genommen. „Künstler sollen die Schnauze halten und auf genau das hören, was von Innen kommt…“ „Grace“ beinhaltet zum Sterben schöne und zeitlose Musik: melancholisch, außergewöhnlich, voller Sehnsucht und tief bewegend. Jeff Buckley muss man zuhören, sich ganz auf seine einzigartige Musik einlassen. Manchmal ist es anstrengend,  seine Lieder zu genießen. Und …