Alle Artikel in: Lieblingsstücke

Michael Pietsch: Schauspieler und Puppenbauer

Freundlich winkend stakst Adalbertchen über die Bühne im Kleinen Haus des Mainzer Staatstheaters. Knapp fünf Meter über ihm bewegt sich eine fahrbare Brücke quer zum Raum hin und her. Ihr Tempo bestimmt Adalbertchens Laufschritt. Über Wohl und Wehe des Buben bestimmen Michael Pietsch, Schauspieler und seit dieser Spielzeit festes Ensemblemitglied am Staatstheater, ein kompliziert verstrebtes Spielkreuz das Pietsch in der rechten Hand hält und 16 knapp sechs Meter lange Fäden. Noch anderthalb Stunden bis sich der Vorhang für Gerhart Hauptmanns Milieudrama „Die Ratten“ hebt. Insgesamt 15 Puppen hat Pietsch unterstützt von den künstlerischen Abteilungen für die Produktion angefertigt. Adalbertchen, das tote Kind, wird gerade für die Vorstellung eingerichtet. Michael Pietsch ist Schauspieler und wollte, so lange er sich erinnern kann auch nichts anderes sein. Puppenspiel und Puppenbau sind seine zweite Passion. Mit drei Jahren Kasperlefiguren unter dem Weihnachtsbaum, erste Versuche als Puppenbauer mit fünf und mit zehn die erste selbst geschnitzte Holzmarionette. Die dritte Konstante in Pietschs Schauspielerleben ist die Freundschaft zu Regisseur Jan-Christoph Gockel, die noch aus Teenagertagen als Statist am Kaiserslauterner Pfalztheater rührt. …

Begegnung mit Matt Mullican

Matt Mullican sitzt auf der Treppe in der Mainzer Kunsthalle und nimmt sich die Zeit, seine Kosmologie zu erklären, ein komplexes System aus Farben, Piktogrammen und Schaubildern. Es geht ihm um Wahrnehmung und Wirklichkeit. Um die Erkenntnis, wie die Welt geordnet ist. Wie die Dinge in ihr zueinander in Verbindung stehen. Es ist Montag, in vier Tagen, am Donnerstag, wird Mullicans Ausstellung „Books Representing Books“ eröffnet. Mehr Skizzen, Notizbücher, Textbausteine und Bildersammlungen gab es von dem 1951 im kalifornischen Santa Monica geborenen Künstler bislang noch nirgends zu sehen. Er gehört zu den international hoch geachteten Konzeptkünstlern der Gegenwart. „Ein Superstar“, wie Thomas D. Trummer, künstlerischer Leiter der Kunsthalle sagt, „der sich für Mainz sehr viel Zeit nimmt“. Viermal war er in den vergangenen Wochen schon vor Ort. Tausende von Blättern sind mittlerweile so gereiht worden, wie es die Logik in Mullicans Universum zwingend erfordert. Lose Blätter sind für ihn eine andere Präsentationsform des Buches, auch sie verlangen nach Chronologie. Dazu gehören comichafte Kugelschreiberskizzen auf Rechenblättern, Blätter mit Internetfotografien und riesige Wortfolgen auf Bettlaken gepinselt. Mullican …

Schott Music in Mainz veröffentlicht neben Klassik auch Fastnachtsmusik

09.02.2013 Von Michaela Paefgen-Laß Mainz. Fastnacht und Ballett, das passt zusammen wie zwei Kärtchen beim Memoryspiel. Narrhallamarsch und Büttenrede ebenfalls. Undenkbar das eine ohne das andere. Was aber hat der Mainzer Narrhallamarsch mit dem romantischen Ballett „Giselle“ zu tun – wenn Letzteres nicht gerade von einer Männertanzgruppe in Tutu verballhornt wird? Banal und doch überraschend: Beide stammen vom gleichen Komponisten. Eigentlich. Denn Adolphe Adam, der im Paris des beginnenden 19. Jahrhunderts leichte Ballettmusiken und komische Opern wie am Fließband produzierte, hatte sicher nicht die Mainzer Saalfastnacht im Sinn, als er seine Opéra Comique „Le Brasseur de Preston“ um einen hübschen, gefälligen Militärmarsch komplettierte. Das war 1838, im Gründungsjahr des Mainzer Carneval-Verein e.V. (MCV). Dem Startschuss der modernen Fastnacht. Die Oper ist längst vergessen. Den Militärmarsch hat MCV-Gründungsmitglied Karl Zulehner, gebürtiger Mainzer und kaiserlich-königlicher Regimentskapellmeister, quasi gerettet… (weiterlesen) (Erschienen am 09. Februar 2013 im Feuilleton von Allgemeine-Zeitung Mainz und Wiesbadener Kurier)