Monate: Mai 2012

Verschwunden in der Nacht

Heute vor 15 Jahren ist Jeff Buckley mit gerade einmal 30 Jahren gestorben. Mitten in der Arbeit für sein neues Album „My Sweethart, The Drunk“, vom dem Kritiker sagen, es hätte eine Platte im Ausmaß von Sgt. Pepper’s werden können. Es wird nie wirklich aufgeklärt werden können, was den jungen Sänger und Songwriter antrieb, sich mitten in der Nacht gedankenverloren immer tiefer in das Wasser des Wolf River treiben zu lassen.  So bleibt er der Erinnerung  als ein rätselhafter junger Künstler im Leben wie im Tod. Für sein einziges  Album „Grace“  erhielt Jeff Buckley 1995 den begehrten französischen „Grand Prix International Du Disque“ – vor ihm haben Stars wie Bob Dylan, Bruce Springsteen, Leonard Cohen, Yves Montand, Edith Piaf und Jacques Brel diese Auszeichnung entgegen genommen. „Künstler sollen die Schnauze halten und auf genau das hören, was von Innen kommt…“ „Grace“ beinhaltet zum Sterben schöne und zeitlose Musik: melancholisch, außergewöhnlich, voller Sehnsucht und tief bewegend. Jeff Buckley muss man zuhören, sich ganz auf seine einzigartige Musik einlassen. Manchmal ist es anstrengend,  seine Lieder zu genießen. Und …

Schwulenklischees aufs Korn genommen

15.05.2012 – MAINZ Von Michaela Paefgen-Lass LITERATURFESTIVAL Lesung von Comiczeichner Ralf König Mit dem einen Klischee räumt Comiczeichner Ralf König direkt auf: „Ich bin schwul ja, aber das ist nicht mein einziges Thema“. König, der durch die Verfilmung seines Comics „Der bewegte Mann“ Mitte der neunziger Jahre einem breiten Publikum bekannt wurde, setzte mit seiner Comic-Lesung am Sonntagabend den Schlusspunkt unter das 4. Mainzer Literaturfestival im Baron auf dem Uni-Campus. Seit dreißig Jahren malt und schreibt König Comics. Zu Anfang seiner Karriere sei es sicher eine Befreiung gewesen, dass da einer Witze über das Schwulsein mache. „Aber irgendwann ist das nicht mehr frisch.“ Mit dem Sammelband „Der dicke König“ würdigte der Ehapa-Verlag im vergangenen Jahr das Schaffen des Autors. Dem Mainzer Publikum präsentierte er daraus kurze, bunte, brüllend komische Karikaturen und Kurzgeschichten. Die knollennasigen Figuren des Satirikers, meistens schwul, plaudern frei, unverkrampft und lustvoll über Sex und nackte Hintern oder nehmen gängige Schwulenklischees selbstironisch aufs Korn. Aber auch Ausgrenzung, Katholizismus und Islamismus haben einen Platz in Ralf Königs Werk. So bekehrt die Frau Abrahams Gott …

Wilder Virtuose im Piraten-Look

03.05.2012 – MAINZ Von Michaela Paefgen-Lass MEISTERKONZERT Geigen-Star Nemanja Radulovic begeistert mit Auftritt in der Rheingoldhalle Als „Rockstar“ unter den Violinvirtuosen und junger Geiger mit „Hexenkünsten“ war Nemanja Radulovic angekündigt worden. Als der in Serbien geborene Musiker nach der Pause beim 7. Meisterkonzert die Bühne in der Rheingoldhalle betrat, hatte das Publikum einen aus der Riege jener exzentrischen Klassikstars vor sich, die zunächst einmal durch ihr Äußeres auffallen. Schwarze Lockenmähne und Rüschenhemd Die lange schwarze Lockenmähne kaum gebändigt, enge Jeans, Schnürstiefel, Rüschenhemd und Piratenjacke: alles schwarz, versteht sich. Zuvor hatten die Musiker der deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter dem äußerst bildhaften, stets in die Tiefe der Musik dringenden Dirigat von George Pehlivanian mit der Sinfonie C-Dur von Paul Dukas das Publikum in einen wahren Rausch der musikalischen Ereignisse gerissen. Schon jetzt war der Titel des Programms „Phantastischer Wirbel“ längst umgesetzt. Es wurde also spannend. Sollte nun einer kommen, der dem ganzen noch die Krone aufsetzen konnte? Das Violinkonzert in h-moll, von Camille Saint-Saens ist das populärste, gleichzeitig technisch anspruchsvollste unter den drei Violinkonzerten des spätromantischen Franzosen. …

Die Magie langer Melodiebögen

01.05.2012 – MAINZ Von Michaela Paefgen-Lass JUBILÄUMSKONZERT „Sinfonietta“ spielt zum 40-jährigen Bestehen Beethoven und Dvorák Manchmal sind Synonyme gefordert, um Wortwiederholungen zu umgehen. Im Fall von Sinfonietta Mainz, das als Nachfolger des Philharmonischen Orchestervereins mit einem Jubiläumskonzert in der Phönixhalle sein 40-jähriges Bestehen feierte, ist die Suche nach dem treffenden Synonym nicht einfach. „Laien- oder Feierabendorchester“ sind wenig geeignet, die musikalisch gut aufgestellten und ambitionierten Musiker unter der Leitung von Michael Millard zu beschreiben. Passender ist Sinfonietta als ein Orchester zu sehen, dessen Mitglieder keine professionelle musikalische Karriere eingeschlagen haben. Beethovens Klavierkonzert Nr. 5 mit Johannes Nies Genau dies durften die Zuhörer in der vollbesetzten Phönixhalle erleben – ein Sinfonieorchester, das weiß, was es kann und sich etwas zutraut. Ein geschicktes Statement in diese Richtung setzte Sinfonietta mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 5: Es ist dies eines der ersten Werke der Gattung Sinfonisches Klavierkonzert, bei der das Orchester dem Soloinstrument nicht mehr dienend, sondern gleichwertig zur Seite gestellt ist. Beide verschmelzen im Dienst der musikalischen Aussage. Sinfonietta wurde diesem selbst gesetzten Anspruch gemeinsam mit dem durchweg …