Alle Artikel in: Literatur

Mainzer Stadtschreiber 2015: Feridun Zaimoglu

Feridun Zaimoglu über die Bücher seines Lebens

Wer weit reisen will, aber nicht fliegen kann, sitzt viel in der Bahn. Wer Bücher schreibt aber keinen Computer will, muss auf unbequemeren Tasten tippen. Beide Entscheidungen rauben Zeit – oder schenken sie, je nach Sichtweise. Der neue Mainzer Stadtschreiber Feridun Zaimoglu hat sich für die jeweils ruhigere Gangart entschieden. Und das scheint ihm genau die Räume zu lassen, die er benötigt um sich ganz der Sprache hinzugeben und ihren Wert zu verfechten. Viel Bemerkenswertes über den Autor und sein Verhältnis zur Kraft des gedruckten Wortes, durfte das Publikum am Mittwochabend im KUZ bei der Aufzeichnung der SWR-Sendung „lesenswert“ erfahren. Zaimoglu, der sein Amt in der vergangenen Woche angetreten hat, brauchte von seiner Stadtschreiberwohnung nur einen kurzen Fußmarsch entlang des Rheines zurück zu legen. „Mainz“, so verriet er im lockeren Plausch beim Soundcheck Moderatorin Felicitas von Lovenberg, „ist wirklich gut“. Und er sammelt Gartenzwerge, „die grimmigen, nicht die mit den freundlichen Gesichtern“. Drei Bücher, die sein Leben prägten hatte Feridun Zaimoglu mitgebracht. Aus allen strotzt die Kraft der Sprache. Und so wie Zaimoglu die Literatur, die …

9783455310184

Optimistischer Arbeitsminimalist

Als Romanfigur von Wolf Haas hat man es nicht leicht. Weil nichts verlässlich ist. Reicht es ihm nicht, dass Privatdetektiv Simon Brenner innerhalb von drei Serienbänden aus dem beschaulichen Bergdorf heraus in die Großstadt Stadt Wien verpflanzt wurde. Und nicht außerdem, dass diesem schon zweimal innerhalb von zwanzig Jahren und sieben Bänden der Ruhestand versprochen wurde. Muss er jetzt noch in James-Bond-Manier mit dem Motorrad durch die Mongolei geschickt werden? Ja, das mache ihm schon moralische Probleme, wie er mit dem Brenner umgehe, gesteht dessen Erschaffer. Immerhin. Mit „Brennerova“, dem jüngsten Band der Krimi-Serie um den eigenwilligen Privatdetektiv ist der in Wien lebende Autor Wolf Haas derzeit auf Lesetour. Am Donnerstagabend sprach er bei der Aufzeichnung für die SWR-Sendung „lesenswert“ im KUZ mit Moderator Denis Scheck über die schriftstellerische Pflege minimalster Leistungsanforderungen und wie daraus hochgelobte Spitzenkrimis entstehen. „Ich kann eigentlich nur sehr schlecht viel lesen“, gestand Haas. Denis Scheck, der zu den gepfeffertsten und wortwendigsten Literaturkritikern Deutschlands zählt, feierte in der Sendung als Nachfolger von Thea Dorn seine Premiere. „Ihre Romane sind Sprachkurs und ganz große …

Ralf König

Schwulenklischees aufs Korn genommen

15.05.2012 – MAINZ Von Michaela Paefgen-Lass LITERATURFESTIVAL Lesung von Comiczeichner Ralf König Mit dem einen Klischee räumt Comiczeichner Ralf König direkt auf: „Ich bin schwul ja, aber das ist nicht mein einziges Thema“. König, der durch die Verfilmung seines Comics „Der bewegte Mann“ Mitte der neunziger Jahre einem breiten Publikum bekannt wurde, setzte mit seiner Comic-Lesung am Sonntagabend den Schlusspunkt unter das 4. Mainzer Literaturfestival im Baron auf dem Uni-Campus. Seit dreißig Jahren malt und schreibt König Comics. Zu Anfang seiner Karriere sei es sicher eine Befreiung gewesen, dass da einer Witze über das Schwulsein mache. „Aber irgendwann ist das nicht mehr frisch.“ Mit dem Sammelband „Der dicke König“ würdigte der Ehapa-Verlag im vergangenen Jahr das Schaffen des Autors. Dem Mainzer Publikum präsentierte er daraus kurze, bunte, brüllend komische Karikaturen und Kurzgeschichten. Die knollennasigen Figuren des Satirikers, meistens schwul, plaudern frei, unverkrampft und lustvoll über Sex und nackte Hintern oder nehmen gängige Schwulenklischees selbstironisch aufs Korn. Aber auch Ausgrenzung, Katholizismus und Islamismus haben einen Platz in Ralf Königs Werk. So bekehrt die Frau Abrahams Gott …