Literatur

Schwulenklischees aufs Korn genommen

15.05.2012 – MAINZ

Von Michaela Paefgen-Lass

LITERATURFESTIVAL Lesung von Comiczeichner Ralf König

Mit dem einen Klischee räumt Comiczeichner Ralf König direkt auf: „Ich bin schwul ja, aber das ist nicht mein einziges Thema“. König, der durch die Verfilmung seines Comics „Der bewegte Mann“ Mitte der neunziger Jahre einem breiten Publikum bekannt wurde, setzte mit seiner Comic-Lesung am Sonntagabend den Schlusspunkt unter das 4. Mainzer Literaturfestival im Baron auf dem Uni-Campus.

Seit dreißig Jahren malt und schreibt König Comics. Zu Anfang seiner Karriere sei es sicher eine Befreiung gewesen, dass da einer Witze über das Schwulsein mache. „Aber irgendwann ist das nicht mehr frisch.“ Mit dem Sammelband „Der dicke König“ würdigte der Ehapa-Verlag im vergangenen Jahr das Schaffen des Autors. Dem Mainzer Publikum präsentierte er daraus kurze, bunte, brüllend komische Karikaturen und Kurzgeschichten. Die knollennasigen Figuren des Satirikers, meistens schwul, plaudern frei, unverkrampft und lustvoll über Sex und nackte Hintern oder nehmen gängige Schwulenklischees selbstironisch aufs Korn. Aber auch Ausgrenzung, Katholizismus und Islamismus haben einen Platz in Ralf Königs Werk. So bekehrt die Frau Abrahams Gott zum Vegetarismus, um das Leben des Sohnes und der Opfertiere zu retten: „Die armen Widder andauernd.“

Miriam Spies, Initiatorin und Organisatorin des dreitägigen Literaturfestivals, holt Autoren nach Mainz, die sie „selbst gerne hören würde“. Es sind die großen Namen der Underground-Lyrik und -Prosa, die sich im Baron das Mikrofon in die Hand geben. Das war heute ein wenig „überdimensioniert“, resümiert sie den Sonntag. Die bedeutenden und damit „teuren Hausnummern“ der Szene ziehen in Mainz noch nicht das ganz große Publikum an.

Zu ihnen gehört Klaus Bittermann, Autor und Verleger aus Berlin, der trockenhumorig aus seinem Band „Möbel zu Hause aber kein Geld für Alkohol“ erzählte. An Tom Waits und seiner skurrilen Melancholie orientiert sich Kersten Flenter. Wortgewaltig und wuchtig ist in seiner Lyrik von Menschen zu hören, die sich mit ihrem Platz im Leben abmühen. „Hey du doofer Prinz“, sagt der Mann an der Bar, „man sieht nur mit den Augen gut“.

Momentaufnahmen gab Multitalent Jan Egge Sedelies in Schwindel erregendem Tempo von sich. Die rasanten Text-Collagen handeln von Plattenbauten, Gewaltbereitschaft, Gentrifizierung, und geplatzten Hausbesetzerträumen. Moderiert wurde das Festival von Mara Braun, Redakteurin beim Medienpartner Allgemeine Zeitung.

(geschrieben für: Allgemeine Zeitung Mainz, 15. Mai  2012)

(Bildnachweis: Pressebild über Mainzer Literaturfestival)