Musik

Solistisches Können im Elbenwald

23.04.2012 – MAINZ

Von Michaela Paefgen-Lass

STAATSORCHESTER Drittes „Konzert für junge Leute“ präsentiert Blasmusik einmal anders

Zwei Pappkarten mit durchnummerierten senkrechten Strichen reichen Generalmusikdirektor Hermann Bäumer, um den Grundgedanken der „Minimal Music“ zu erklären. Die beiden Karten, um einen Strich verschoben untereinander gehalten: Zwei junge Musiker, die ein kurzes musikalisches Muster um einen Ton verschoben gleichzeitig intonieren. Schon ist die „harmonische Rückung“ erklärt, die Tür zum Verständnis von John Adams „Short Ride in a Fast Machine“ geöffnet. „Das große Geheimnis der Minimal Music ist eigentlich ganz simpel“, enthüllt Bäumer beim 3. Konzert für junge Leute am Samstagabend im Großen Haus des Mainzer Staatstheaters.

Anspruchsvolles Programm für die jugendlichen Zuhörer

Unter der Überschrift „Symphonic Brass“ hatte sich das Philharmonische Staatsorchester Mainz mit dem Jugendblasorchester Rheinland-Pfalz herausragenden musikalischen Nachwuchs mit auf die Bühne geholt. Auf dem Programm standen Kompositionen des 20. Jahrhunderts. Ein gleichermaßen anspruchsvolles Programm für die überwiegend jugendlichen Zuhörer wie Musiker. „Das ist Kunstmusik, da muss man sich reinhören“, ermunterte Hermann Bäumer, der das Orchester mit leichter Hand führte und durch das gut zweistündige Konzert moderierte.

Seite an Seite mit den Kollegen des Philharmonischen Staatsorchesters gelang es den Nachwuchsmusikern, die straffe und präzise Rhythmik der Komposition von John Adams, gepaart mit einer sich ständig verändernden Dynamik, sauber herauszuarbeiten. In der berühmten Sinfonie in B von Paul Hindemith stellten die jungen Musiker ihre solistischen Fähigkeiten unter Beweis.

Komposition über Gandalf, Gollum und Minen von Moria

Um die Balance zwischen den einzelnen Instrumentengruppen und expressive Stimmungen geht es in den fünf Sätzen der Sinfonie Nr. 1 „Herr der Ringe“ des Niederländers Johann de Meij. Sicher spannte das Orchester die großen musikalischen Bögen der Komposition auf. Jeder Satz verfügt über ausdrucksvolle Farbschattierungen. Die wurden im energischen Auftreten Gandalfs, dem idyllischen Elbenwald, der in sich zerrissenen Figur des Gollum, den lauernden Gefahren in den Minen von Moria und schließlich der sorglos volkstümlichen Hobbitwelt sauber gegenüber gestellt. Der lang anhaltende Applaus und die Bravo-Rufe des Publikums belohnten nach der Zugabe ein Konzert, mit dem das Jugendblasorchester unterstreichen konnte, das es zurecht als eines der besten seiner Art in Deutschland gilt.

(geschrieben für: Allgemeine Zeitung Mainz, 23. April 2012)

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