Jahr: 2012

Arnold Schönberg

Im Sommer 1899…

…verbrachte der damals 24-jährige Komponist Arnold Schönberg die Tage mit seinem Freund Alexander von  Zemlinsky in der Nähe von Wien. Dort verliebte er sich prompt in Mathilde,  die jüngere Schwester des Freundes. Verklärte Nacht Verliebt und inspiriert begann der junge Komponist sofort an seiner, wie er später selbst sagte, ersten vollgültigen Tondichtung zu arbeiten. Dem Streichsextett “Verklärte Nacht” nach einem Gedicht von Richard Dehmel. Bei der Komposition von Richard Dehmels Gedicht „Verklärte Nacht“ leitete mich die Absicht, in der Kammermusik jene neuen Formen zu versuchen, welche in der Orchestermusik durch Zugrundelegen einer poetischen Idee entstanden sind. Die Dichtung Dehmels erzählt von einer dramatischen Paarbeziehung vor der romantischen Kulisse einer Vollmondnacht. Den jungen Schönberg reizte an dem Gedicht die neue unbürgerliche Moral, die Idee  des Eros und der Liebe, die alle Konvention Beiseite schiebt um in einer eigenen hochmoralischen menschlichen Haltung gipfeln zu können. Musikalische Naturdichtung Schönberg übernimmt aus dem Gedicht die Stimmungen und Emotionen, die er programmmusikhaft in Tonsprache übersetzt.  Anders als seine Zeitgenossen schildert er in seiner Sinfonischen Dichtung keinen Handlungsablauf, sondern lässt die …

Verklärte nacht

Präsentation der „Evolution“

20.06.2012 – MAINZ URAUFFÜHRUNG Kammerorchester spielt neues Werk von Peter Michael Braun (mpl). Der Grundsatz im kompositorischen Schaffen von Peter Michael Braun lautet, dass die Faszination von Leben und Musik auf Schwingungen und deren mathematischen Beziehungen beruht. Damit folgt Braun dem Satz von Leibniz, Musik sei eine „verborgene Rechenübung der Seele“. Im zweiten Konzert der Reihe Mainz Musik brachte der 1936 geborene Komponist mit dem Mainzer Kammerorchester als kongenialen Partner am Samstagabend sein gut einstündiges Werk „Evolution“ im Roten Saal der Musikhochschule zur Welturaufführung. Teilen und Vervielfältigen Lange Töne in den tiefen Streichern eröffnen die „Evolution“ wie Glockenschläge. Darüber entwickeln sich nach einer Weile kurze, hochtönige Motive in den Geigen. In diesen ersten Takten stellt Braun das gesamte Prinzip der „Evolution“ vor, das sich am besten durch den Vergleich mit dem altertümlichen Ein-Saiten-Instrument Monochord erklären lässt. Wird eine Seite geteilt, erhöht sich ihre Frequenz, es entstehen Obertöne. Wird der Saite Raum gegeben, entstehen die tiefen Untertöne, die sich auch in Glockenschlägen hören lassen. Der gesamte erste Satz spielt mit langen Tönen, dem mathematischen Teilen und …

Jeff Buckley

Verschwunden in der Nacht

Heute vor 15 Jahren ist Jeff Buckley mit gerade einmal 30 Jahren gestorben. Mitten in der Arbeit für sein neues Album “My Sweethart, The Drunk”, vom dem Kritiker sagen, es hätte eine Platte im Ausmaß von Sgt. Pepper’s werden können. Es wird nie wirklich aufgeklärt werden können, was den jungen Sänger und Songwriter antrieb, sich mitten in der Nacht gedankenverloren immer tiefer in das Wasser des Wolf River treiben zu lassen.  So bleibt er der Erinnerung  als ein rätselhafter junger Künstler im Leben wie im Tod. Für sein einziges  Album “Grace”  erhielt Jeff Buckley 1995 den begehrten französischen “Grand Prix International Du Disque” – vor ihm haben Stars wie Bob Dylan, Bruce Springsteen, Leonard Cohen, Yves Montand, Edith Piaf und Jacques Brel diese Auszeichnung entgegen genommen. “Künstler sollen die Schnauze halten und auf genau das hören, was von Innen kommt…” “Grace” beinhaltet zum Sterben schöne und zeitlose Musik: melancholisch, außergewöhnlich, voller Sehnsucht und tief bewegend. Jeff Buckley muss man zuhören, sich ganz auf seine einzigartige Musik einlassen. Manchmal ist es anstrengend,  seine Lieder zu genießen. Und …

Ralf König

Schwulenklischees aufs Korn genommen

15.05.2012 – MAINZ Von Michaela Paefgen-Lass LITERATURFESTIVAL Lesung von Comiczeichner Ralf König Mit dem einen Klischee räumt Comiczeichner Ralf König direkt auf: „Ich bin schwul ja, aber das ist nicht mein einziges Thema“. König, der durch die Verfilmung seines Comics „Der bewegte Mann“ Mitte der neunziger Jahre einem breiten Publikum bekannt wurde, setzte mit seiner Comic-Lesung am Sonntagabend den Schlusspunkt unter das 4. Mainzer Literaturfestival im Baron auf dem Uni-Campus. Seit dreißig Jahren malt und schreibt König Comics. Zu Anfang seiner Karriere sei es sicher eine Befreiung gewesen, dass da einer Witze über das Schwulsein mache. „Aber irgendwann ist das nicht mehr frisch.“ Mit dem Sammelband „Der dicke König“ würdigte der Ehapa-Verlag im vergangenen Jahr das Schaffen des Autors. Dem Mainzer Publikum präsentierte er daraus kurze, bunte, brüllend komische Karikaturen und Kurzgeschichten. Die knollennasigen Figuren des Satirikers, meistens schwul, plaudern frei, unverkrampft und lustvoll über Sex und nackte Hintern oder nehmen gängige Schwulenklischees selbstironisch aufs Korn. Aber auch Ausgrenzung, Katholizismus und Islamismus haben einen Platz in Ralf Königs Werk. So bekehrt die Frau Abrahams Gott …

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Wilder Virtuose im Piraten-Look

03.05.2012 – MAINZ Von Michaela Paefgen-Lass MEISTERKONZERT Geigen-Star Nemanja Radulovic begeistert mit Auftritt in der Rheingoldhalle Als „Rockstar“ unter den Violinvirtuosen und junger Geiger mit „Hexenkünsten“ war Nemanja Radulovic angekündigt worden. Als der in Serbien geborene Musiker nach der Pause beim 7. Meisterkonzert die Bühne in der Rheingoldhalle betrat, hatte das Publikum einen aus der Riege jener exzentrischen Klassikstars vor sich, die zunächst einmal durch ihr Äußeres auffallen. Schwarze Lockenmähne und Rüschenhemd Die lange schwarze Lockenmähne kaum gebändigt, enge Jeans, Schnürstiefel, Rüschenhemd und Piratenjacke: alles schwarz, versteht sich. Zuvor hatten die Musiker der deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter dem äußerst bildhaften, stets in die Tiefe der Musik dringenden Dirigat von George Pehlivanian mit der Sinfonie C-Dur von Paul Dukas das Publikum in einen wahren Rausch der musikalischen Ereignisse gerissen. Schon jetzt war der Titel des Programms „Phantastischer Wirbel“ längst umgesetzt. Es wurde also spannend. Sollte nun einer kommen, der dem ganzen noch die Krone aufsetzen konnte? Das Violinkonzert in h-moll, von Camille Saint-Saens ist das populärste, gleichzeitig technisch anspruchsvollste unter den drei Violinkonzerten des spätromantischen Franzosen. …

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Die Magie langer Melodiebögen

01.05.2012 – MAINZ Von Michaela Paefgen-Lass JUBILÄUMSKONZERT „Sinfonietta“ spielt zum 40-jährigen Bestehen Beethoven und Dvorák Manchmal sind Synonyme gefordert, um Wortwiederholungen zu umgehen. Im Fall von Sinfonietta Mainz, das als Nachfolger des Philharmonischen Orchestervereins mit einem Jubiläumskonzert in der Phönixhalle sein 40-jähriges Bestehen feierte, ist die Suche nach dem treffenden Synonym nicht einfach. „Laien- oder Feierabendorchester“ sind wenig geeignet, die musikalisch gut aufgestellten und ambitionierten Musiker unter der Leitung von Michael Millard zu beschreiben. Passender ist Sinfonietta als ein Orchester zu sehen, dessen Mitglieder keine professionelle musikalische Karriere eingeschlagen haben. Beethovens Klavierkonzert Nr. 5 mit Johannes Nies Genau dies durften die Zuhörer in der vollbesetzten Phönixhalle erleben – ein Sinfonieorchester, das weiß, was es kann und sich etwas zutraut. Ein geschicktes Statement in diese Richtung setzte Sinfonietta mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 5: Es ist dies eines der ersten Werke der Gattung Sinfonisches Klavierkonzert, bei der das Orchester dem Soloinstrument nicht mehr dienend, sondern gleichwertig zur Seite gestellt ist. Beide verschmelzen im Dienst der musikalischen Aussage. Sinfonietta wurde diesem selbst gesetzten Anspruch gemeinsam mit dem durchweg …

Jüdisches Gemeindezentrum Mainz / Jewish Community Center Mainz

Ein Totentanz für die Opfer

24.04.2012 – MAINZ SYNAGOGE Konzert zeichnet „Bilder aus dem jüdischen Leben“ / Dunkle Klage und Kindermelodien (mpl). Einen kurzen Augenblick herrscht Schweigen im Konzertsaal der Mainzer Synagoge. Der Eindruck von Dimitri Schostakowitschs Kla-viertrio e-moll op 67 hallt im Raum nach. „Bilder aus dem jüdischen Leben“, so lautete der Titel des vorangegangenen Konzerts, zu dem die Anni Eisler-Lehmann-Stiftung eingeladen hatte. Im Zentrum des musikalischen Geschehens stand der Stipendiat der Stiftung, Igor Tsinman. Der aus Russland stammende Violinist wird derzeit an der Mainzer Musikhochschule ausgebildet. Für das Konzert stellte er ein Programm aus Klaviertrios des 20. Jahrhunderts zusammen, die Motive des jüdischen Lebens und der jüdischen Musik verarbeiten. Kompositionen, die unter dem Eindruck der Verbrechen des Zweiten Weltkrieges stehen, können keine leichte Kost sein. Doch Igor Tsinman, Bekhzid Abdullaev (Klavier) und Diego Hernandez Suarez (Cello) zeigten sich durchweg nicht nur als versierte Techniker und bestens aufeinander abgestimmtes Trio. Auch ließen sie sich weder von der komplexen Musik beeindrucken, noch gaben sie sich dem Pathos und dem Sentimentalen hin. Stattdessen setzten sie aller Ernsthaftigkeit zum Trotz auf einen …

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Solistisches Können im Elbenwald

23.04.2012 – MAINZ Von Michaela Paefgen-Lass STAATSORCHESTER Drittes „Konzert für junge Leute“ präsentiert Blasmusik einmal anders Zwei Pappkarten mit durchnummerierten senkrechten Strichen reichen Generalmusikdirektor Hermann Bäumer, um den Grundgedanken der „Minimal Music“ zu erklären. Die beiden Karten, um einen Strich verschoben untereinander gehalten: Zwei junge Musiker, die ein kurzes musikalisches Muster um einen Ton verschoben gleichzeitig intonieren. Schon ist die „harmonische Rückung“ erklärt, die Tür zum Verständnis von John Adams „Short Ride in a Fast Machine“ geöffnet. „Das große Geheimnis der Minimal Music ist eigentlich ganz simpel“, enthüllt Bäumer beim 3. Konzert für junge Leute am Samstagabend im Großen Haus des Mainzer Staatstheaters. Anspruchsvolles Programm für die jugendlichen Zuhörer Unter der Überschrift „Symphonic Brass“ hatte sich das Philharmonische Staatsorchester Mainz mit dem Jugendblasorchester Rheinland-Pfalz herausragenden musikalischen Nachwuchs mit auf die Bühne geholt. Auf dem Programm standen Kompositionen des 20. Jahrhunderts. Ein gleichermaßen anspruchsvolles Programm für die überwiegend jugendlichen Zuhörer wie Musiker. „Das ist Kunstmusik, da muss man sich reinhören“, ermunterte Hermann Bäumer, der das Orchester mit leichter Hand führte und durch das gut zweistündige Konzert …

Clowns

Dr. Schnipsel und Maus Charly kommen bei „Lachverstopfung“

Der Einsatz von Clowndoktoren an der Uni-Kinderklinik tröstet kleine Patienten nicht nur bei Langeweile „Hallo liebe Clowndoktoren, ich heiße Louisa und liege auf Zimmer 11. Leider muss ich noch bis Samstag hier bleiben, dabei ist mir doch so langweilig. Meine Mama ist auch schon total genervt, weil ich nicht mehr mit ihr spielen mag. Bitte besucht mich, damit wir lustige Seifenblasen pusten und zusammen tanzen können.“ Mit Seifenblasen gegen Krankenhaustraurigkeit Louisa ist Patientin der Uni-Kinderklinik in Mainz. Ruhig im Bett liegen zu bleiben ist für das aktive Mädchen schwer, die Abwechslung, die die Mama ihr bieten kann beschränkt sich auf Vorlesen und Gesellschaftsspiele spielen – im Alltag eine Höhepunkt, wird das dem Kind nach einigen Tagen Krankenhausaufenthalt auch langweilig. Aber Luisa weiß sich zu helfen und diktiert ihrer Mama einen Brief an die Clowndoktoren. Sie hat gehört, dass die Clowns gerne kranke Kinder besuchen, wenn man sie darum bittet. Seifenblasen in homöopathischen Dosen gegen Lachverstopfung hat Dr. Hugo Schnipsel natürlich immer dabei, wenn er das Zentrum der Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz betritt. …

Landesaertekammer Blutdruck messen

Keine Sorge um die Versorgung

Mainzer Bürger dürfen auch mal krank werden „Wie ein Derwisch bin ich früher über die Bühne getanzt, quer über Tische und Bänke gefegt“, erinnert sich Kammersänger Jürgen Rust. Der gebürtige Berliner ist seit über 30 Jahren als Tenor am Mainzer Staatstheater engagiert. Der Part des Buffo, des lustigen Gesellen in Oper, Operette und Musical ist seine Paraderolle. Und jede Inszenierung fordert nicht nur Höchstleitungen in stimmlicher Hinsicht, sondern auch vollen Körpereinsatz. Auf ein Mattenlager drei Meter in der Tiefe unter der Bühne zu springen wenn es die Regie so will, bei Prügelszenen durch eine falsche Bewegung des Kollegen einen Schneidezahn verlieren, für den Kammersänger gehört das über Jahrzehnte zum Berufsalltag. Jetzt mit 60 Jahren muss er allerdings bekennen: „Es geht nicht mehr so wie früher“. Der Beruf fordert seinen Tribut. Besonders in den Knochen. Erst schleichend, im Frühjahr dann akut, machten sich Schmerzen in der linken Hüfte bemerkbar. Die Diagnose der Mainzer Ärzte: Arthrose, ein Verschleiß der Knorpelschicht in den Gelenken, die häufigste Form aller Gelenkerkrankungen weltweit. In Deutschland leiden darunter mindestens 12 Prozent der …